ausgewebelt

29
Sep
2008

Fernmeldeaufklärung

Wie tröstlich, dass es auch Blogger gibt, die beim Bund waren. Ich dachte immer, Valerie F. sei allein auf weiter Flur mit ihrem Fetisch.
Heute nacht sagte sie zu jemandem, der sein Blog gerade deaktiviert hatte, er sähe wie ein Tastfunker aus.

"Ich konnte schneller funken als der Lochstreifen vorgab", war die prompte Antwort.
"Aber ich bin nur dann schneller als der Lochstreifen wenn es erforderlich ist", fügte er nach einer Weile hinzu.

Hach. Wie schade, dass diese Schlüsselqualifikation so selten in Selbstdarstellungen von Kontaktanzeigen vorkommt.

23
Nov
2007

frankierter unsinn

die allermeisten leute haben einfach keinen sinn für humor. selbst dann nicht, wenn er handgeschrieben ist und eine briefmarke draufklebt.

20
Nov
2007

frank, der gemeine hurenwe(i)bel

Als „Feldweybel“ oder „Feldweibel“ erscheint der Feldwebel erstmals als Unteroffizierdienstgrad der Landsknechte. Das Wort „Weibel“ ist mit dem Agenssuffix '-el' von dem althochdeutschen Verben weibōn „herumtreiben“ abgeleitet. Der Feldwaibel war für das Ausrichten (militärisches Antreten in exakter Linie) der Soldaten verantwortlich, indem er vor der Front auf und ab ging. Auf dem Marsch regulierte der Feldwaibel das Bewegungstempo der Truppe: Wie das Webschiffchen eilte er vor und zurück, einerseits um die Kolonnenspitze am zu schnellen Vorauseilen zu hindern und andererseits, um langsame Nachzügler anzutreiben.

In jedem Landsknechtsfähnlein beaufsichtigte ein, vom Obristen ernannter, Feldweibel die übrigen niederen Chargen. Daneben existierten „Troßweibel“, „Hurenweibel“ und „Gemeinweibel“, die mit gesonderten Aufgabenbereichen betraut waren.

Quelle: wikipedia. hervorhebungen von mir.

30
Apr
2006

good bye, ruby cheerful

Die Umstände - nicht zuletzt die Tatsache, dass es ab morgen eine Blog-Weltreise zu bewerkstelligen gilt - führen dazu, dass ich die Frank-Geschichte heute beenden werde. Ein neuer Monat beginnt in wenigen Stunden, am ersten April hatte ich begonnen, also ist es Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. Die Wiederaufarbeitung der Geschichte hat einiges in mir ausgelöst. Gestern nacht saß ich mit dem Menschen, der sie außer mir und Frank am besten kennt, in diversen Kneipen und habe mir noch einmal in aller Deutlichkeit ins Gesicht sagen lassen, dass meine Wahrnehmung der Dinge erheblich von der Realität abweicht. Dass unendlich viel Feigheit, Unreife und postpubertäres Gehabe zu einem Szenario geführt haben, was irgendwann außer Kontrolle geraten ist und für mich zum Selbstzweck wurde. Es war ein ungeheuer heilsames Gespräch. Und hier ist der dramatische vorläufige Rest der Story.

Der Kurs endete im April 1998. Zeitgleich lief auch mein Zeitvertrag aus. Man hatte mir keinen neuen angeboten, da die Story aufgeflogen war und ich aufgrund meines unvernünftigen Verhaltens für nicht tragbar befunden wurde.
Bis zum Schluss hatte es keine vernünftige Aussprache zwischen uns gegeben. Frank mied mich, wo er nur konnte, und gebärdete sich in der Abschlussrüfung, in der ich als Beisitzerin fungierte, auch reichlich komisch. Noch nicht einmal Auf Wiedersehen wollte er mir sagen. Nun denn. Meine Entscheidung, zurück an die Uni zu gehen und zu promovieren, hielt mich zunächst davon ab, zu viel in Erinnerungen zu schwelgen. Doch sie waren da. Der Blick eines waidwunden Rehs, die Erinnerung an Berührungen, Küsse... Ich schrieb ihm beharrlich SMSe und bekam manchmal sogar eine - teilweise patzige - Antwort. Dennoch sahen wir uns fast drei Jahre nicht wieder. Dazwischen lag ein Krieg, in dem die Brücken meiner Heimatstadt und mit ihr das Leben meines ersten "richtigen" Freundes Oleg von NATO-Bomben zerstört wurden. Während dessen war Frank auch auf dem Balkan, was mir zusätzlich schlaflose Nächte bereitete.
Dann, 2001, zwei Tage vor meinem dreißigsten Geburtstag, gab es wieder eine Mondfinsternis. Ich bekam einen seltsamen Anruf von einem sichtlich angetrunkenen Frank, dass ich in eine bestimmte Kneipe kommen solle und so tun, als sei ich zufällig da. Dort erzählte er mir eine haarsträubende Story von wegen Job verlieren und Spionage und militärische Abwehr und Kontaktsperre. Zwölf Stunden später klingelt der Verfassungsschutz an meiner Tür und erzählt mir die zweite Version derselben Geschichte. Dass unsere Affäre aufgeflogen sei, dass begründeter Verdacht auf Spionage bestünde und dass von mir verlangt würde, alle Kontakte zu ehemaligen Schülern abzubrechen. Wie soll ich denn Franks Handynummer vergessen, ich weiß sie doch auswendig?
Totaler Absturz, Mond-, Sonnen- und Geistesfinsternis macht sich breit. Ich bin mehrere Monate völlig von Sinnen. Irgendwann zerstreut sich die Paranoia halbwegs.
Fast zwei Jahre später, im September 2002, taucht er plötzlich wieder auf. Ruft an, will mit mir einen trinken gehen, erzählt mir, er sei seit zwei Jahren solo und es ginge ihm gut damit. Irgendwann küssen wir uns. Er sagt, dass er jetzt wahnsinnig gerne mit mir schlafen würde. Ich entgegne, dass er besoffen sei, und dass ich ihm das nicht abnehmen würde. Erinnere ihn an eine Begebenheit, wo er mir - bei einer der seltenen vernünftigen Unterhaltungen, die wir hatten - gesagt hat, dass er auch nüchtern und bei Tageslicht mit mir schlafen würde (er war bei dieser Aussage nüchtern und es war hell draußen). Und dass er es dennoch nie getan hat. Seine unwiderstehlichen Blicke jedoch lassen mich schnell gefügig werden und ich schleife ihn ins Hochbett. Endlich scheint die Erfüllung aller Wünsche in greifbare Nähe gerückt. Doch nein - kurz bevor es zum äußersten kommt, springt Frank vom Bett und zieht sich hastig an. Alles Heulen und Flehen hilft nichts - er kommt nicht mehr zurück. Ich will den Schlüssel verstecken, gebe aber nach, da er den Blick eines Amokläufers hat. Später erzählt er mir, er wäre gestorben, wenn wir es getan hätten.
Das war das letzte Mal, dass ich ihn gesehen habe. Kurz darauf ging ich nach Berlin. Wir haben noch manches Mal telefoniert und gemailt, irgendwann jedoch hatte er sämtliche mir bekannten Kontaktdaten von heute auf morgen geändert.
Und da mir kein entsprechend herzzerreißendes Ende für diese Story einfällt, nehme ich - obwohl ich versprochen hatte, hier auf literarische Ausschmückung zu verzichten - einfach das Ende des zweiten Kapitels meines Romans.Für alle, die Gefallen an der Geschichte bekommen haben, wird es irgendwann nach der Veröffentlichung (hüstel, schulterselberklopf) ein mit Autogramm versehenes Exemplar geben. Haltet Ausschau nach Valerie Fröhlich. Und natürlich nach Ruby Cheeful.

Ich will nicht mehr haben und tun, nur noch sein. Ich habe alles erlebt, was diese Welt an Spaß und an Schmerz zu bieten hat. Jetzt werde ich in Wales oder Albanien Kleinvieh hüten und meinen Tagesablauf am Sonnenlicht orientieren. Ich liebe Frank, und ich schäme mich weder dafür noch verheimliche ich es. Und eines Tages, und sei es im Himmel, werden wir nebeneinander liegen und er wird es verstanden haben. Der große Rest der Welt ist vollkommen unwichtig.

24
Apr
2006

Anybody seen my baby?

She confessed her love to me
Then she vanished on the breeze
Trying to hold on to that was just impossible
(...)
Love has gone and made me blind
I've looked but I just can't find
She has gotten lost in the crowd


Teil 5

Der Unterricht wurde zur Qual. Frank mied mich, wo er nur konnte, und irgendjemand muss die Vorgesetzten informiert haben, denn ich wurde in eine andere Klasse versetzt. So sahen wir uns nur noch in den Pausen, und auch da wurde ich hauptsächlich gemieden. Einmal jedoch tauchte er noch mit Mario H. bei mir in der Wohnung auf und wollte zu irgendeinem Haie-Jubiläum. Ehe ich mich versah, hatte ich ein rot-weißes Trikot an und wurde irgendwohin mitgeschleift. Zu fortgeschrittener Stunde landen wir im Herbrands, welches damals noch ein eher winziger Zappelschuppen war und nicht so eine Riesen-Disse wie heute.
An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass ich zu der Zeit stoppelkurze Haare trug, so dass man mich (d.h. meinen Kopf) von weitem kaum vom uniformierten Rest der Truppe unterscheiden konnte. Ein richtiger 10mm-Einheitsschnitt.
Wir also im Herbrands. Irgendwann ziemlich besoffen. Frank knutscht mit Mario, um mir zu zeigen, dass er nichts gegen Schwule hat. Irgendwann küsst er auch mich. Wir bleiben, bis wir die letzten sind, tanzen, saufen weiter. Zu fortgeschrittener Stunde wälzen Frank und ich uns knutschend auf der Tanzfläche rum. Plötzlich zieht er mich hoch und fällt vor mir auf die Knie. Ich denke - was ist denn jetzt los, noch ein Heiratsantrag, er ist doch schon verlobt. Doch er bittet mich, mir die Haare wieder wachsen zu lassen. Das fand ich so rührend, das ich von dieser Stunde an außer zum Spitzen schneiden nie wieder beim Friseur war. Ein-zwei Jahre später hatte ich dann auch Haare bis fast zum Arsch.
Wir schlafen wieder zu dritt im Hochbett. Wieder kuschelt Mario mit meiner Ente, Frank knirscht im Schlaf mit den Zähnen, ich liege wach und überlege, wie und ob ich ihn vergewaltigen soll. Ich lasse es und erinnere mich lieber an den Kniefall und die wilde Küsserei. Frank küsst so zauberhaft. Hatte ich das schon erwähnt? Ich neige wirklich nicht dazu, Männer miteinander zu vergleichen, insbesondere beim Sex ist für mich jeder vollkommen einzigartig. Aber beim Küssen hängt die Messlatte verdammt hoch seit der Zeit. Jemand der nicht küssen kann, kommt mir in der Regel nicht ins Haus.
Am nächsten Morgen treffe ich meine Nachbarin S., die über mir wohnt. Sie sei auf dem Weg zu L., ihrer Freundin. Mir fällt ein, dass die L. im Herbrands kellnert. Beiläufig erzählt sie mir, dass L. am Telefon erzählt hat, wie genervt sie war, weil "letzte Nacht irgendwelche Besoffenen in FC-Trikots beinahe auf der Bühne kopuliert hätten". "Das waren Haie-Trikots" korrigiere ich und blicke etwas beschämt.


- Fortsetzung folgt -

12
Apr
2006

the importance of living in the present

während ich hier die mehrbändige blogonovela verfasse (keine sorge, sie wird fortgesetzt), fiel mir wieder ein, dass es ja noch andere nette menschen in meinem 97/98er kurs gab. einer von den besonders netten hatte gestern geburtstag (elf ist ja bekanntlich auch meine glückszahl). also schrieb ich ihm eine mail. wie erfreut war ich heute, als er nicht nur antwortete, sondern auch noch schrieb, dass er mittlerweile in berlin wohnt. (das war genau der, den ich als vertrauensfeldwebel für verrückte serbischlehrerinnen bezeichnet hatte).
ich sage doch - nichts passiert wirklich ohne grund...

8
Apr
2006

Moonlight Shadow

The trees that whisper in the evening
Carried away by a moonlight shadow
Sing a song of sorrow and grieving
Carried away by a moonlight shadow
All she saw was a silhouette of a gun
Far away on the other side.


Teil 4

So mussten wir wohl oder übel damit leben. Jedes Mal, wenn ich eine Aussprache provoziert habe, bekam ich das gleiche zu hören: Es geht nicht, wir dürfen das nicht, ich verliere meinen Job, lass mich in Ruhe.

Sein Verhalten im besoffenen Zustand straft ihn Lügen. Er kommt manchmal mit Mario H. nach einer Sauftour mitten in der Nacht bei mir vorbei. Sogar auf dem Heimweg vom Pascha schneit er mal rein und versucht mir zu erklären, dass ihn die Nutten nicht im geringsten antörnen. Dafür scheine ich ihn um so mehr verrückt zu machen, er will es jedoch nach wie vor nicht zulassen. Wenn wir im Bett landen, ist immer Mario mit dabei und es kommt nie zum äußersten. Wir liegen zu dritt im Hochbett, Mario kuschelt mit meiner Ente, Frank und ich kichern, weil er schnarcht, und schlafen irgendwie ein. Einmal falle ich bei einer solchen Gelegenheit mit dem Mund über ihn her, es macht ihn wahnsinnig aber er lässt sich dennoch nicht besteigen. [Selber schuld, blöde Frau, wenn du keine Kondome im Hochbett hast. Aber das war sowieso nur eine Ausrede, er hätte es auch mit nicht getan].
"Vielleicht mache ich ja immer genau das Falsche" war ein Satz, den er mehrmals im Zusammenhang mit mir gesagt hat. Das wir irgendwie zusammengehören, war beiden längst klar. Und das mehr als nur eine oberflächliche "boy-meets-girl"-Attraktivität dahinter steckt, auch.

Mondfinsternisse spielen neben Fußball eine ganz zentrale Rolle in unserer Beziehung.
12.9.97. UEFA-Pokalspiel Schalke gegen Hajduk Split. Ich finde das wichtig, denn mein seliger Vater war Hajduk-Fan und die Oma kam aus Gelsenkirchen. Meine beste Freundin ist zu Besuch, Frank wird zum Abendessen eingeladen, er hat sich Möhren gewünscht (süß, oder?). Die Freundin ist fasziniert, da sie zum ersten Mal meine Wohnung in top-aufgeräumten Zustand sieht. "Der Kerl muss es dir ja echt angetan haben, ist ja blitzblank hier alles". Sie wird instruiert, uns irgendwann alleine zu lassen, verabredet sich brav für den späteren Abend woanders. Aber vorher wollen wir noch zusammen die Mondfinsternis sehen, vom Spiel reicht ja auch die zweite Halbzeit. Wir wandern zusammen durch den Media-Park auf der Suche nach einer geeigneten Erhebung fürs moon-watching, werden dabei von irgendwelchen Bürotussis dumm angemacht, weil sie denken, wir wollten von hinten in ihre Büros schauen. "Wir suchen doch nur den Mond" sagt die Freundin arglos, dieser Satz sollte uns den Rest des Abends grinsen machen.
Dann sind Frank und ich alleine auf meinem Wohnzimmersofa, zum ersten Mal überhaupt ganz alleine, ohne Mario, ohne Kameraden in den Nachbarstuben. Ich küsse zärtlich die Stelle, die ich von dem Abend an zu meiner Lieblingsstelle an Franks Körper erklärt habe: den schmalen Haarstreifen unterm Bauchnabel. Ich spüre, wie es ihn erregt, er lässt mich jedoch nicht weiter nach unten. Irgendwann springt er auf und hat es sehr eilig, zurück in die Kaserne zu fahren. Ich flehe ihn an, noch ein wenig zu bleiben, erfolglos. Dann gehe ich halt noch mit zur Bahn. Wir blödeln auf der Straße rum, ich fühle mich ganz merkwürdig aufgekratzt. Ob es am Mond liegt?
Auf dem Rückweg steht ein bildschöner Italiener vor einer Pizzeria. "Wo ist deine 'aus, bella donna?" macht er mich ungeniert an. Ich mache zurück "man fragt nicht, wo ist dein Haus, sondern: möchtest du etwas trinken" was er prompt tut. Kurz drauf bin ich high on prosecco und nehme ihn mit. Weiß noch nicht mal seinen Namen, ich glaube er hieß Toni. Irgendwann im Bett mache ich die Augen auf und denke, wow, der sieht ja aus wie Keanu Reeves, vollkommen überirdisch sexy. Needless to say, in Gedanken bin ich trotzdem nur bei Frank. Lesson learned: Man sollte sich keine one-night-stands mit nach Hause nehmen, wenn man gerade oberrattig wegen seiner größten Liebe ist. Das macht grenzenlos traurig und einsam.
Am nächsten Morgen fragt mich die beste Freundin, warum ich so hastig die Bettwäsche abziehe "ich hätte auch noch nach Frank in dieser Bettwäsche geschlafen" meint sie. Unter Tränen gestehe ich ihr, dass es gar nicht Frank war, mit dem ich das Bett besudelt habe.

- Fortsetzung folgt -

5
Apr
2006

don't stand so close to me

Teil 3

Das Spiel ging weiter.
Heiße und kalte Duschen jeden Tag. Verstohlene Blicke, hastige Küsse im Klassenzimmer nachdem alle draußen waren, zugesteckte Briefchen von mir an ihn, die unbeantwortet blieben.
Das Szenario eskalierte Anfang Juni. Es war warm und es wurde mal wieder gegrillt und gesoffen. Frank hatte am Tag zuvor einen Verlobungsring für sich und seine Liebste erstanden. Auf meine Frage hin, ob er sich diesen Schritt auch gut überlegt habe, bekam ich zu hören "mir fiel kein anderes Geburtstagsgeschenk für sie ein, und da habe ich ihr eben einen Heiratsantrag gemacht". Auch nicht schlecht. Nun trug er also ein sichtbares Zeichen seiner Unverfügbarkeit. Leider war dieses in jeder Hinsicht eine Nummer zu groß geraten, wie sich schnell herausstellte. Er verlor den Ring nämlich noch am selben Abend - nicht zuletzt deshalb, weil wir mal wieder wild knutschend auf irgendeinem entlegenen Stück Rasen gelandet waren. Daraufhin rastete er ziemlich aus und fing an, den Ring mit der Taschenlampe zu suchen.
Als es Schlafenszeit war, begab ich mich trotz eigener Lehrerstube schnurstracks zu Franks Tür. Verschlossen. Klopf klopf - keine Antwort. Nachbar Patrick - mittlerweile so etwas wie ein Vertrauensfeldwebel für verliebteverrückte Serbischlehrerinnen - kommt heraus und bittet mich zu sich ins Zimmer. "Frank hat sich einschließen lassen" weiß er zu berichten. "Wie bitte?? Wieso das denn?" frage ich entsetzt. "Lass ihn, das ist besser so. [Subtext: Er weiß, dass er dir a) nicht widerstehen könnte und b) euch beide in ziemliche Schwierigkeiten bringen würde]. Du weißt halt auch nicht alles über unseren Auftrag". Ich lasse mich nicht abwimmeln, brülle angetrunken durch den Flur - ihr Idioten, so ein Kindergarten, das ist Freiheitsberaubung, ihr spinnt doch total. Auch vom sonst so klarsichtigen Ralf lasse ich mich nicht beruhigen, erst recht nicht, als er mir triumphierend Franks Zimmerschlüssel zeigt. Ich renne schließlich zu einem Typen aus der Nachbarklasse ins Zimmer - der heißt ebenfalls Frank, lernt aber Arabisch - und beschwere mich. Der pflichtet mir bei und sagt, dass die wohl alle einen Knall haben, weil sie eine Frau in der Klasse haben (nicht mich, es gibt tatsächlich Angela, eine weibliche Schülerin, die mir auch unablässlich wegen Frank ins Gewissen redet).
Ich gehe verwirrt und besoffen schlafen.
Ab da ist Schluss mit lustig. Frank ignoriert mich, die anderen feinden mich an. Ich habe Mühe, mit dem Stoff durchzukommen, werde boykottiert, die anfänglich so entspannte Atmosphäre ist dahin, das Unterrichten wird für beide Seiten zur Qual. Frank gesteht mir irgendwann, dass er sich versetzen lassen - bzw. den Lehrgang abbrechen - wollte. Im Nachhinein denke ich - besser wäre das gewesen.

Fortsetzung folgt.

3
Apr
2006

when I kissed the teacher

Teil 2

Ich muss wohl sagen "when he kissed the teacher", denn die Lehrerin war ja ich.
Frühling 1997, Grillparty auf dem Kasernengelände, Saoirse ist mit dem Motorrad da, für das es bei ihr eine klare selbst auferlegte 0,0-Promillegrenze gibt. Bald wird jedoch klar, dass der Nachmittag in den Abend übergeht und dass es genug Bier für alle gibt. Also bekommt Frau Lehrerin eine Stube vermittelt (die gab es damals zum sagenhaften Preis von 2,60 DM pro Nacht) in der sie dann ihren Rausch ausschlafen kann. Aber vorher gilt es noch, sich mit den Jungs ordentlich die Kante zu geben, man will ja beweisen, dass Balkanweiber trinkfest sind. Irgendwann sitze ich dann auf einer Bank quer über dem Schoß von Frank W. und Mario H. Mein Kopf ist näher an Frank und meine Beine bei Mario. Klar, das darf nicht sein, aber plötzlich küsse ich Frank, der stammelt noch was wie "ich dachte eigentlich, du seist in Patrick verliebt" gibt sich dann aber den Küssen hin und wir verschwinden auf einer dunkleren Bank außerhalb der Sichtweite der anderen Schüler. Ich habe noch nie so viel Leidenschaft und Erregung beim Knutschen verspürt. Es war wie verzaubert, wir konnten gar nicht mehr aufhören. Er erzählte was von fester Freundin und dass ich doch die Lehrerin sei, aber ich ließ mich nicht davon abbringen, die halbe Nacht mit ihm weiter zu knutschen. Irgendwann landeten wir dann auf seiner Stube (obwohl ich ja extra eine eigene besorgt hatte) und lagen auf dem Bett. Er erklärte mir, dass es völlig unmöglich sei, was wir da trieben, und dass er zwar vom Gefühl her verrückt auf mich wäre, sein Kopf das aber nicht zulassen könnte. Sein Herz raste wie wild und ich übte mich in Verführungskünsten, irgendwann war mir aber klar, dass es zur Katastrophe kommen könnte, wenn wir miteinander schlafen, denn ich fühlte mich ihm von der ersten Sekunde an völlig ausgeliefert und konnte an nichts anderes mehr denken. Er gestand mir dann, dass er vor Angst und Aufregung sowieso keinen hoch bekommen hätte (von wegen Lehrerin und so) was ich irgendwie rührend fand. Wir haben uns dann noch ein wenig geküsst und sind Arm in Arm irgendwann eingeschlafen. Auf dem Schreibtisch stand das Foto seiner Freundin.
Am nächsten Morgen war klar, dass man ihm an der Nasenspitze ansehen würde, dass er verliebt war wie ein Schuljunge. Er wurde ständig rot und konnte sich nicht mehr konzentrieren, was mich nur noch mehr erregte.

1
Apr
2006

da capo, herr hauptfeldwebel

Entrefilet:
Ich liebe Frank W. seit nunmehr genau neun Jahren. Gestern habe ich mir bewusst gemacht, dass ich mit dem Roman, den ich seinetwegen begonnen habe, zu schreiben, zwar einiges aufgearbeitet habe, dennoch reizt es mich, die Geschichte mal ungeschminkt, ungekürzt und ohne literarische Aufbereitung zu schildern. Wer nicht mag, muss ja nicht mitlesen.

Teil 1
- Schüler kennenlernen -

Ich war bereits seit einem Jahr als Sprachlehrerin tätig. Direkt im Anschluss an mein Studium hatte ich diesen Job bekommen. Das war ein irres Gefühl - zum ersten Mal richtig Geld verdienen und obendrein noch Spaß dabei zu haben. Ich stand vor einer ganzen Klasse gutaussehender uniformierter Männer und durfte ihnen meine Muttersprache beibringen. Was wollte man mehr? Es war das erste mal, dass ich Leute völlig außerhalb des intellektuellen Dunstkreises der Uni, der Kölner Kneipenszene und meiner Kirchengemeinde kennen lernte - mit anderen worten: Leute, denen ich sonst nie begegnet wäre. Wir hatten viel Spaß, gingen Kegeln, im Sommer Grillen, sie reparierten mein Motorrad und wir feierten Karneval zusammen.
Dann, ende März 1997, kam eine neue Gruppe, ich wurde zum ersten mal Klassenlehrerin und war allein verantwortlich für die ganze Klasse. Das bedeutete 24 Wochenstunden Unterricht nur mit denen. Ich war mir sehr bewusst, dass das schnell zu Klaustrophobie führen konnte, und gab mir besonders Mühe, locker zu sein und den Unterricht möglichst vielseitig zu gestalten. Direkt in der zweiten Woche gab es eine Geburtstagsparty, zu der man mich auch einlud. Zwei auffallend gutaussehende Kerle in meinem Alter waren mir schon im Klassenzimmer aufgefallen, sie hießen Frank und Patrick. Bei der Party wurde irgendwann Nena gespielt, und wir kamen ins Gespräch über die Musik unserer Jugend und dass ich alle Nena-Texte auswendig konnte. Frank gefiel mir besonders gut, ich sprach mit ihm über Nenas Liebe zu den Stones und entdeckte dabei, dass er der größte Stones-fan war, der mir je begegnet war. Das eis war gebrochen. Plötzlich hatte ich nicht nur eine Horde saufender, fußball-glotzender und Schlager hörender Soldaten vor mir, sondern Menschen wie dich und mich, mit denen man besoffen "Ruby Tuesday" singen und einen Joint rauchen konnte. ich war mir sicher, es würde ein ganz fantastisches Jahr werden mit dieser Truppe.


- fortsetzung folgt -
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