Das Gyrosschwert
Er wohnt unter mir. Die Hausverwaltung hat mich schon vor ihm gewarnt. Er sei Alkoholiker.
Es ist nicht die beste Gegend. Im Hof ist alle paar Tage Geschrei, im Erdgeschoss des Nachbarhauses ein Puff, in der Kneipe um die Ecke gibt es Messerstechereien und den meisten Menschen, die man im Dunkeln auf der Straße sieht, möchte ich nicht im Hellen begegnen. Aber die Mieten sind günstig, und die Verkehranbindung perfekt.
Der einzige Kontakt, den ich zu dem Kerl unter mir habe, ist manchmal im Treppenhaus. Er nutzt jede Gelegenheit, zu behaupten, ich würde nachts in Betonstiefeln durch die Wohnung laufen.
Eines Nachts reißt mich das Radio des Nachbarn von nebenan aus dem Bett. Es ist lauter, als hätte man Kopfhörer auf. Es klingelt. Schlaftrunken wandere ich in meinem Ernie&Bert-TShirt zur Wohnungstür. Ich sehe eine riesige Klinge blitzen. Reflexartig knalle ich die Tür zu. Es ist der Kerl von unten. Ich überlege, ob ich schreien soll. Kurz drauf kommt er wieder, zeigt mir durch den Spion beide Hände. Ich mache auf. Zeige ihm mein Schlafzimmer und überzeuge ihn davon, dass die Musik aus der Nachbarwohnung kommt. Wir brüllen den Nachbarn gemeinsam durch's Fenster an.
"Warum hast du mich gerade mit dem Messer bedroht?" frage ich.
"Ach, das war doch nur mein Gyrosschwert", sagt er. Fragt, ob ich noch etwas zu trinken im Haus habe. Es ist eine dieser Nächte, in der man froh ist, dass hochprozentige Getränke kein Verfallsdatum haben. Eine uralte Pernodflasche wird endlich geleert, Campari ebenfalls, er bringt noch russisches Bier mit und Absynth.
Wir verstehen uns gut. Er ist Schriftsteller. Wir lachen. Plötzlich brüllt der Nachbar, den wir samt seiner Musik längst vergessen haben, über den Hof, dass ich eine Nutte sei, und dass er genau wisse, wer ich bin. Ich lache mich halbtot. Mein neuer Freund von unten haut mit dem Besen auf das Fenster des Krawallmachers.
Das Gyrosschwert ist längst in Vergessenheit geraten.
Er hat mir sein Buch geschenkt.
Wir trinken jetzt manchmal eine Flasche Rotwein zusammen. Manchmal auch zwei.
Es ist nicht die beste Gegend. Im Hof ist alle paar Tage Geschrei, im Erdgeschoss des Nachbarhauses ein Puff, in der Kneipe um die Ecke gibt es Messerstechereien und den meisten Menschen, die man im Dunkeln auf der Straße sieht, möchte ich nicht im Hellen begegnen. Aber die Mieten sind günstig, und die Verkehranbindung perfekt.
Der einzige Kontakt, den ich zu dem Kerl unter mir habe, ist manchmal im Treppenhaus. Er nutzt jede Gelegenheit, zu behaupten, ich würde nachts in Betonstiefeln durch die Wohnung laufen.
Eines Nachts reißt mich das Radio des Nachbarn von nebenan aus dem Bett. Es ist lauter, als hätte man Kopfhörer auf. Es klingelt. Schlaftrunken wandere ich in meinem Ernie&Bert-TShirt zur Wohnungstür. Ich sehe eine riesige Klinge blitzen. Reflexartig knalle ich die Tür zu. Es ist der Kerl von unten. Ich überlege, ob ich schreien soll. Kurz drauf kommt er wieder, zeigt mir durch den Spion beide Hände. Ich mache auf. Zeige ihm mein Schlafzimmer und überzeuge ihn davon, dass die Musik aus der Nachbarwohnung kommt. Wir brüllen den Nachbarn gemeinsam durch's Fenster an.
"Warum hast du mich gerade mit dem Messer bedroht?" frage ich.
"Ach, das war doch nur mein Gyrosschwert", sagt er. Fragt, ob ich noch etwas zu trinken im Haus habe. Es ist eine dieser Nächte, in der man froh ist, dass hochprozentige Getränke kein Verfallsdatum haben. Eine uralte Pernodflasche wird endlich geleert, Campari ebenfalls, er bringt noch russisches Bier mit und Absynth.
Wir verstehen uns gut. Er ist Schriftsteller. Wir lachen. Plötzlich brüllt der Nachbar, den wir samt seiner Musik längst vergessen haben, über den Hof, dass ich eine Nutte sei, und dass er genau wisse, wer ich bin. Ich lache mich halbtot. Mein neuer Freund von unten haut mit dem Besen auf das Fenster des Krawallmachers.
Das Gyrosschwert ist längst in Vergessenheit geraten.
Er hat mir sein Buch geschenkt.
Wir trinken jetzt manchmal eine Flasche Rotwein zusammen. Manchmal auch zwei.
saoirse - 2. Jun, 14:33
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