2
Jan
2006

bretonische sentimentalität

der vorteil der arbeitslosigkeit ist, dass man die liegengebliebenen klausuren zu hause korrigieren und dabei radio hören kann. der nachteil ist, dass man dabei anfängt zu spinnen. just in dem moment, wo ich mich darüber aufrege amüsiere, dass bretonisch von einer angehenden englischlehrerin als "nach dem zweiten weltkrieg ausgestorbene sprache" bezeichnet wird, läuft auf radio multikulti ein bretonisches lied (tri martelod), was ich zu meiner studienzeit rauf und runter gesungen habe. [für die kenner: NEIN, nicht tribu de dana von manau, das sind keine richtigen bretonen. eine echte alte matrosenversion. die mir aber lust darauf gemacht hat, mal wieder manau zu hören]. hach, ich würde so gerne mal wieder bretonisch lernen. aber hier liegen ja noch die ganzen baskisch-lehrbücher rum. und mit finnisch habe ich ja auch gerade erst angefangen ;-)

never ending mad stop

ich habe ja in den drei jahren mad stop viel erlebt. nicht nur schlimmes, auch witzige sachen waren dabei. aber das, was sich vor einer halben stunde hier im hausflur abgespielt hat, schießt dem alten fritzen den adler aus dem stern.
nachdem ich einen wunderbaren ersten arbeitslosen tag mit champagner, kino, sushi und netten menschen verlebt hatte (nun gut, neujahr und sonntag ist ja sozusagen ein doppelter feiertag, rein bürokratisch werde ich erst morgen arbeitslos) wollte ich meinen AB auf verspätete neujahrswünsche checken. darauf ein student, den ich schon fast vergessen hatte, mit der behauptung, er würde mir noch heute abend eine hausarbeit vorbeibringen. offensichtlich einer von denen, die meine drohung ernst genommen hatten, ich würde nach dem 1.1. keine mehr akzeptieren. ich maß dieser behauptung keine weitere bedeutung bei.
jedenfalls saß ich seelenruhig mit nettem besuch vor dem fernseher, schaute das ende von amadeus und häkelte ein längst versprochenes verhütungsmittelbehältnis fertig, als ich plötzlich den briefkastenschlitz klappen hörte. neuigierig, wie ich bin, rannte ich sofort zur tür, um zu sehen, wer mir da zu später stunde neujahrswünsche zukommen lässt. weit gefehlt - ein blick auf die uhr zeigte, dass meine drohung offensichtlich sehr wörtlich genommen worden war - es war 0:30 und im treppenhaus schaffte ich es gerade noch, dem etwas durchgeknallt wirkenden studierenden ein "hallo" und "frohes neues jahr" hinterherzurufen. dann kam er etwas verwirrt noch mal die treppe hoch und erklärte mir, dass er soeben aus mad stop nach berlin gereist sei, um mir sein opus zu kredenzen. auf die frage hin, warum er denn dann nicht geklingelt habe und wer ihn denn überhaupt ins haus gelassen habe, meinte er nur - die klingel oben rechts, ich habe mich nicht getraut, bei ihnen zu klingeln [aber meinen nachbarn sagen, ich musste frau saoirse noch eine hausarbeit bringen!]...

sprachlos bin ich jetzt und werde es wohl auch noch eine weile bleiben.

nachtrag: hier geht es jetzt (ca. 12h später) zu wie bei harry potters pflegeeltern, als onkel vernon die tür verbarrikadieren musste und den kamin zumauern, damit die eulen die briefe nicht zustellen können. es klingelt pausenlos [studentInnen] und parallel dazu flattern eilbriefe mit hausarbeiten rein (frage an die post: warum legt man eilbriefe auf den fußabtreter, anstatt sie in den schlitz zu stecken? damit sich eilige menschen daran die füße abtreten können?).
ich will hier mal eine rein hypothetische warnung aussprechen: arbeitslose dozentinnen können mitunter zu treppenhausmörderinnen mutieren. one should always bear that in mind.
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