Tag 2: Kiew
Im Morgengrauen mit einer altersschwachen Suzi im zweiten Gang durch Warschau tuckern hat was pionierhaftes. Nur ein paar Penner sind unterwegs, die Müllabfuhr und ich. Ich weiß, dass ich einen mindestens 15stündigen Höllenritt vor mir habe und lasse mich deshalb in der polnischen Hauptstadt nicht aufhalten. So etwas wie eine Autobahn gibt es nur für einige Kilometer aus der Stadt raus, danach wird es öde, bald wird es richtig unsagbar öde, und sumpfig obendrein. Hinter Brest wird es noch sumpfiger. Nur alle Stunde kommt mir mal ein Fahrzeug entgegen, die Leute hupen und wundern sich wohl über das Motorrad in dieser Einöde. Irgendwann erscheinen endlich ein paar Hügel, die schnell zu richtigen Bergen werden. Die Strecke ist genau nach meinem Geschmack, sanfte Kurven und endlose Weite. Das Gefühl, nirgendwo ankommen zu wollen, ergreift mich und reist eine Weile mit mir, bis irgendein unbedeutendes Ereignis oder Objekt am Wegrand meine Aufmerksamkeit ablenkt. In einem Dorf sehe ich so etwas wie eine Kneipe und beschließe, Rast zu machen. Der Schweinebraten mit Roter Bete schmeckt wegen der freundlichen Atmosphäre leckerer als er ist, dazu gibt es salziges Mineralwasser und danach sehr starken Tee.
Danach heize ich weiter durch das dünn besiedelte Land und bin froh, als ich endlich das Ufer des Dnjepr erreiche. Ein Gefühl der Vertrautheit beschleicht mich, als ich feststelle, dass die auch so eine Art Siegessäule haben dort in Kiew. Natürlich will ich auch das Höhlenkloster besichtigen, doch erst einmal muss ich eine Unterkunft für die Nacht finden. In der Jugendherberge ist noch Platz, und da mein Budget knapp bemessen ist, nehme ich diesen dankend in Anspruch. Das Wasser in der Dusche ist angenehm warm und die Herberge voller lustiger irischer Studenten, so dass ich mich sehr schnell sehr wohlfühle.
Die Altstadt von Kiew kommt mir nach wie vor ungewohnt vertraut vor. Auf der Suche nach einem Internet-Café begegne ich plötzlich Simeon Bandinowitsch, der in Kiew gerade einen Kundendienst für aus Deutschland ausrangierte Zigarettenautomaten betreut. Groß ist die Wiedersehensfreude, und da an diesem 2.Mai mein dritter Hochzeitstag ist und ich Herrn Bandinowitsch überdies zum dritten Mal im Leben begegne, beschließe ich, mit ihm im örtlichen panasiatischen Restaurant namens Long Phuong - welches im Hinterraum auch noch ein Internet-Café hat, sehr wichtig für Blogsüchtige - essen zu gehen und drei Gläser lauwarmen Reiswein zu trinken. Es gibt Amokfisch, das ist die touristisch abgemilderte Variante des berüchtigten Zombiefisches.
Kenner behaupten allerdings, die Hauptzutat sei Pangasius. Der Abend wird ungeheuer lustig. Alle drei Minuten muss Herr Bandinowitsch am Mobiltelefon irgendwelche Fragen zu defekten Zigarettenautomaten beantworten. Zwischendurch fragt er mich, ob ich schon einmal an einer präkoitalen Depression gelitten habe. Ich verneine und weise darauf hin, dass ich die Dimension der Geschlechtsorgane meiner potentiellen Bettgenossen immer sehr genau in Augenschein nehme, und wenn ich den Eindruck bekomme, dass sie zu prä-, inter- oder postkoitalem Leiden führen könnten, etwas anderes statt dessen unternehme, zum Beispiel eine Weltreise auf dem Motorrad. Herr Bandinowitsch sagt, dass habe er mit der Frage eigentlich gar nicht gemeint, ich lache nur und bestelle mir eine weitere Portion Amokfisch.
Wir beschließen, uns am nächsten Morgen gemeinsam das Höhlenkloster anzuschauen. Er spendiert mir eine Stange polnischer Filterzigaretten als Wegzehrung und verabschiedet sich, um einen letzten Rundgang durch die 872 Kneipen mit frisch installierten Tabakmaschinen seiner Firma zu unternehmen. Ich falle in mein Jugendherbergs-Doppelstockbett und schlafe wie ein Stein, noch bevor die ganzen besoffenen Iren nach Hause kommen.
Danach heize ich weiter durch das dünn besiedelte Land und bin froh, als ich endlich das Ufer des Dnjepr erreiche. Ein Gefühl der Vertrautheit beschleicht mich, als ich feststelle, dass die auch so eine Art Siegessäule haben dort in Kiew. Natürlich will ich auch das Höhlenkloster besichtigen, doch erst einmal muss ich eine Unterkunft für die Nacht finden. In der Jugendherberge ist noch Platz, und da mein Budget knapp bemessen ist, nehme ich diesen dankend in Anspruch. Das Wasser in der Dusche ist angenehm warm und die Herberge voller lustiger irischer Studenten, so dass ich mich sehr schnell sehr wohlfühle.
Die Altstadt von Kiew kommt mir nach wie vor ungewohnt vertraut vor. Auf der Suche nach einem Internet-Café begegne ich plötzlich Simeon Bandinowitsch, der in Kiew gerade einen Kundendienst für aus Deutschland ausrangierte Zigarettenautomaten betreut. Groß ist die Wiedersehensfreude, und da an diesem 2.Mai mein dritter Hochzeitstag ist und ich Herrn Bandinowitsch überdies zum dritten Mal im Leben begegne, beschließe ich, mit ihm im örtlichen panasiatischen Restaurant namens Long Phuong - welches im Hinterraum auch noch ein Internet-Café hat, sehr wichtig für Blogsüchtige - essen zu gehen und drei Gläser lauwarmen Reiswein zu trinken. Es gibt Amokfisch, das ist die touristisch abgemilderte Variante des berüchtigten Zombiefisches.
Kenner behaupten allerdings, die Hauptzutat sei Pangasius. Der Abend wird ungeheuer lustig. Alle drei Minuten muss Herr Bandinowitsch am Mobiltelefon irgendwelche Fragen zu defekten Zigarettenautomaten beantworten. Zwischendurch fragt er mich, ob ich schon einmal an einer präkoitalen Depression gelitten habe. Ich verneine und weise darauf hin, dass ich die Dimension der Geschlechtsorgane meiner potentiellen Bettgenossen immer sehr genau in Augenschein nehme, und wenn ich den Eindruck bekomme, dass sie zu prä-, inter- oder postkoitalem Leiden führen könnten, etwas anderes statt dessen unternehme, zum Beispiel eine Weltreise auf dem Motorrad. Herr Bandinowitsch sagt, dass habe er mit der Frage eigentlich gar nicht gemeint, ich lache nur und bestelle mir eine weitere Portion Amokfisch.
Wir beschließen, uns am nächsten Morgen gemeinsam das Höhlenkloster anzuschauen. Er spendiert mir eine Stange polnischer Filterzigaretten als Wegzehrung und verabschiedet sich, um einen letzten Rundgang durch die 872 Kneipen mit frisch installierten Tabakmaschinen seiner Firma zu unternehmen. Ich falle in mein Jugendherbergs-Doppelstockbett und schlafe wie ein Stein, noch bevor die ganzen besoffenen Iren nach Hause kommen.
saoirse - 3. Mai, 01:35
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